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„In der griechischen Mythologie war Narziss der schöne Sohn des Flussgottes Kephissos und der Leiriope. Er fand sich selbst so schön und großartig, dass er die Liebe anderer verschmähte. Zu guter Letzt jedoch verliebte er sich in sein eigenes Spiegelbild und ertrank im Teich. Statt eines Leichnams fanden die Nymphen lediglich eine gelbe Blume, die heute den Namen Narzisse trägt …“*

Narzissten wirken also total selbstverliebt. Wichtig: Sie wirken nur so und können das auch sehr lange sehr überzeugend vortäuschen, doch sie sind es nicht! Sie müssen nur permanent überspielen, dass sie sich leider tief im Innern für eine absolute Null halten. Ihr krasses Verhalten kommt daher, dass sie um jeden Preis ihr zutiefst verletztes Selbst vor genau dieser Erkenntnis schützen müssen.

Selbstverliebtheit vs. Selbstliebe

Jetzt kommt die Krux:

Jemand, der mit erhobenem Kopf und kräftig-angenehmer Stimme auftritt, der offensichtlich seine Stärken kennt und andere Menschen mit seinen Geschichten zum Lachen bringen kann, bis er weiß, wann es Zeit ist, nach Hause zu gehen – den würden wir vermutlich als sozialverträglich bezeichnen, uns angezogen fühlen und ihm ein gutes Selbstbewusstsein, ja, das Vorhandensein von Selbstliebe attestieren.

Und wenn dieser Mensch in jeden Spiegel, der an der Wand hängt, hineinschaut und ständig Selfies von sich postet – würden wir so einen Menschen als selbstverliebt bezeichnen und innerlich ein wenig abrücken? Vielleicht schon.

Was mich zur spannenden Frage bringt, warum „Selbstliebe“ positiv besetzt ist, „selbstverliebt“ aber eher kritisch bis negativ.**

Und ist der Selbstverliebte dann automatisch ein Narzisst, der doch eigentlich gar nicht wirklich selbstverliebt ist und nur so tut?
Was denn nun?

Meine Antwort (und die muss weder richtig noch vollumfänglich sein): ja und nein.

Erst die Dosis macht das Gift!

Gesunder Alltagsnarzissmus

Die oben beispielhaft skizzierte Form von Alltagsnarzissmus ist gut und wichtig! Studien haben gezeigt, dass Menschen, die über solch ein gesundes und ja auch tatsächlich vorhandenes Selbstwertgefühl verfügen, weniger Depressionen und mehr Spaß im Leben haben. Und auch mehr Erfolg, ohne dabei (wie der extreme Narzisst) bis zum Burnout zu gehen.

Wir müssen also unterscheiden:
Selbstverliebtheit als spontaner Ausdruck echter Selbstliebe ist ne super Sache!
Extremer Narzissmus bis hin zur Persönlichkeitsstörung – dauerinszenierte Selbstverliebtheit als Ersatz bei nicht vorhandener Selbstliebe – ist ein Problem.

Wie du Alltagsnarzissmus von krankhaftem Narzissmus unterscheidest?
Schau auf die vier „E“. Was Narzissten ausmacht, sind Egozentrik, Empfindlichkeit, Empathiemangel sowie Entwertung anderer Leute.
Narzissten lieben sich nicht selbst, und sind deshalb auch nicht in der Lage, jemand anderen zu lieben.

 

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Was Selbstliebe bedeutet

In meinen Augen heißt Selbstliebe:

  • dich selbst anzunehmen, so wie du im Moment bist
  • was kein Widerspruch dazu ist, dass du interessiert bist, im Leben Fortschritte zu machen und zu diesem Zweck an dir zu arbeiten – wichtig ist, dass dein Grund für diese Arbeit dein eigener Wunsch und keine z.B. von außen aufgesetzte Norm ist, die gar nicht zu dir passt!
  • dir selbst einfühlsam zu begegnen und dich nicht selbst fertig zu machen
  • dir selbst zu vergeben, wenn du in der Vergangenheit Dinge gesagt oder getan hast, die du bereust
  • gut für dich zu sorgen, dir Ruhe zu gönnen und dir Zeit für dich zu nehmen
  • dir deiner Stärken bewusst zu werden, sie anzunehmen, auszubauen und zu nutzen
  • zu lernen, zu dir selbst ehrlich zu sein (warum zu lernen? Unsere Psyche sorgt dafür, dass wir uns über lange Zeiträume hinweg ganz gewaltig selbst in die Tasche lügen können – das ist eine Form von eingebautem Selbstschutz, der jedoch dazu führen kann, dass du eines Tages aufwachst und dich im falschen Leben wiederfindest: jedenfalls nicht in dem, das du führen wolltest)
  • und dir die Erlaubnis zu geben, für deine Interessen einzustehen und dazu auch mal gegen den Strom zu schwimmen, unbequem zu sein

Den Mut, dich selbst zu lieben und dir selbst Vertrauen zu schenken, den kannst und musst du in dir finden.
Das wird dir kein anderer abnehmen.

Und schon gar nicht der charismatische aber selbstsüchtige Abenteurer, in den du dich verliebt hast und für den du alles tun würdest, der jedoch nur an sein eigenes Wohl denkt.

Fang heute an, dich selbst zu lieben

Schreibe es als Vereinbarung mit dir selbst auf einen Zettel, in dein Handy, in dein Tagebuch.
Aus meiner Liste oben kannst du dir einen ersten Punkt raussuchen, was Selbstliebe für dich bedeutet und worauf du in den nächsten Tagen deinen Fokus legen willst.

Be your own Valentine!

Und jetzt?

Coverfoto zu Illustrationszwecken von Geralt auf Pixabay

* So schrieb ich es in meinem großen Artikel über Narzissmus im Mai 2020.

** Das ist nur so ein Gefühl von mir, wenn ich mir überlege, was wohl ein Umfrageergebnis zu den beiden Begriffen wäre. Schreib mir gerne, wie du das siehst, oder wenn du noch weitere Punkte für die Selbstliebe-Liste hast!

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