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Im vierten Schritt der Gewaltfreien oder Wertschätzenden Kommunikation (GFK) nach Marshall Rosenberg geht es darum, eine konkrete, positive und machbare Bitte zu formulieren. Und zwar so, dass sie als Bitte verstanden wird, nicht als verkleidete Forderung. 

In den ersten drei Schritten hast du gelernt, neutral zu beobachten, dein Gefühl zu benennen und dein Bedürfnis dahinter zu erkennen. Hier bist du im Idealfall ganz bei dir geblieben. Schritt 4 ist die Brücke zur Welt da draußen: Du sagst, was du jetzt gerne hättest. Nur so hat dein Gegenüber überhaupt eine Chance, darauf einzugehen. Nur wer sagt, was er will, erhöht die Wahrscheinlichkeit stark, es auch zu bekommen.

Was ist der Unterschied?

Im Wortlaut gibt es oft keinen Unterschied zwischen einer Bitte und einer Forderung. Nehmen wir mal ein Beispiel aus dem Familienalltag: „Bitte räum dein Zimmer auf“ kann eine Bitte ODER eine Forderung sein. Den Unterschied erkennst du weniger an den Worten denn am Tonfall, mit dem du es aussprichst. Da auch Tonfälle sehr interpretativ sind, ist das wichtigste Indiz allerdings deine Reaktion auf ein „Nein“. Unser Gehirn mag keine Ablehnung, und deshalb ist eine emotionale Reaktion bei dir wie bei mir sowie allen anderen Menschen sehr wahrscheinlich. Die Kunst ist, sie auszuhalten und beim anderen zu bleiben, so wie du in den ersten drei Schritten bei dir geblieben bist.

Wenn dein Gegenüber „Nein“ sagt oder anderweitig ablehnt, und du daraufhin beleidigt, wütend, kränkend oder strafend reagierst, dann war es keine Bitte, sondern eine nicht klar artikulierte Forderung. Türen knallen, Schweigen als Strafe, Predigten über Egoismus oder Schlamperei, Gegenreaktionen wie „… dann brauchst du mich heute Abend auch nicht zu fragen, ob du X oder Y machen darfst …“, zeigen dir, dass du in den gewaltvollen Umgang und die entsprechende Sprache zurückgefallen bist. Kleine Erinnerung, oder für alle, die den ersten Teil der Serie nicht gelesen haben: Sprache kann genauso verletztend sein, wie es die Ohrfeige unserer Kindheit und Jugend war, als es noch gesellschaftlich anerkannt war, wenn einem Elternteil mal die Hand ausgerutscht ist. Innerlich gibt es dann keinen Spielraum für Alternativen zu deiner Forderung.

Es war eine Bitte, wenn dein Gegenüber „Nein“ sagt, du das aushältst und empathisch bleiben kannst. So könntest du zum Beispiel neugierig nachfragen, was bei ihr oder ihm gerade los ist, oder gemeinsam nach einer anderen Möglichkeit suchen, dein unerfülltes Bedürfnis (siehe Schritt 3, es könnte z.B. Ordnung, Hygiene oder Ästhetik sein; vielleicht auch Sicherheit für den Handwerker, der morgen kommt, und sich im Teenie-Zimmer nicht den Knöchel brechen soll) zu erfüllen. Hier dürft ihr kreativ werden!

Und das ist unbequem und schwierig. Etwas zu fordern und es drohend durchzusetzen, fällt uns leichter, das sind wir wohl leider gewohnt. Wenn dir das echte Bitten im ersten Moment schwerfällt, bist du in guter Gesellschaft. Doch es zählt die innere Haltung, nicht die rhetorische Verpackung.

„In dem Moment, in dem Menschen glauben, dass sie für ihre Antwort bestraft werden, hört das Gespräch auf, ein Gespräch zu sein.“

Marshall Rosenberg

Drei Kriterien einer guten Bitte

Wenn du eine Bitte formulierst, die wirklich Chancen hat, gehört und erfüllt zu werden, achte auf drei Dinge.

1. Konkret: „Sprich doch mal mehr mit mir!“ ist eine schöne Idee (die vermutlich eher als Vorwurf gehört wird), aber niemand weiß, was er konkret tun soll. „Würdest du mir morgen früh beim Frühstück erzählen, wie es dir gerade geht?“ – das kann jemand machen oder eben nicht.

2. Positiv formuliert: Sag, was du dir wünschst, nicht, was du nicht willst. „Hör auf, mich zu unterbrechen“ sagt deinem Gegenüber zwar, was er sein lassen soll, aber nicht, was er stattdessen tun könnte. Probiere es mit „Lass mich bitte ausreden“ oder noch besser, weil gleich mit einer Einladung verbunden, „Ich würde gerne meinen Gedanken zu Ende bringen, danach höre ich gerne deinen“. So wird die Bitte greifbarer.

3. Machbar: Bitte um etwas, das im Hier und Jetzt oder in absehbarer Zukunft tatsächlich umsetzbar ist. „Ich wünsche mir, dass du mich nie wieder enttäuschst“ ist keine Bitte, sondern ein frommer Wunsch. „Kannst du mir bitte Bescheid geben, wenn du es heute Abend nicht zum verabredeten Zeitpunkt schaffst?“ ist konkret, positiv und machbar.

Handlungsbitten und Beziehungsbitten

In der GFK gibt es zwei Sorten von Bitten für unterschiedliche Zwecke.

Die Handlungsbitte ist die offensichtliche: Du möchtest, dass dein Gegenüber etwas Bestimmtes tut. „Würdest du heute den Müll runterbringen?“ „Kannst du mir bis Freitag den Bericht schicken?“. Das Wörtchen „Bitte“ hier noch einfließen zu lassen, schadet sicherlich nichts, aber es muss auch nicht immer sein. Umgekehrt kann auch ein Satz mit „Bitte“ wie eine Forderung oder ein Befehl klingen.

Die Beziehungsbitte oder auch Kontaktbitte ist die, die in den meisten Gesprächen vergessen wird, obwohl sie für die Qualität des Kontakts oft entscheidender ist. Du möchtest dann nämlich wissen, wie das, was du gerade gesagt hast, bei deinem Gegenüber angekommen ist.

„Was hast du jetzt gerade gehört?“
„Wie geht es dir mit dem, was ich gesagt habe?“
„Kannst du nachvollziehen, warum mir das wichtig ist?“
aber auch ein einfaches „Ist das ok für dich?“ oder „Geht das?“ lädt zum Dialog ein, statt eine unverhandelbare Position als Bitte zu verkleiden.

Gerade in emotional aufgeladenen Gesprächen ist die Beziehungsbitte unbezahlbar. Sie verhindert, dass ihr aneinander vorbeiredet, ohne es zu merken. Sie zeigt deinem Gegenüber, dass dir der Kontakt wichtig ist, nicht nur das Ergebnis.

Achtung: Wenn tatsächlich etwas unverhandelbar ist, tarne es nicht als Bitte, sondern mache es inklusive Konsequenzen klar und deutlich. Als Beispiel fallen mir hier Gründe für Abmahnungen ein oder wenn wirklich eine Kündigung, oder im Privaten eine Trennung, ausgesprochen werden muss. „Bitte nimm deine Sachen und geh!“ ist keine Bitte, und sollte der toxische Partner dieser Aufforderung nicht nachkommen, sondern übergriffig werden, rufst du bitte die Polizei. Auch die GFK hat ihre Grenzen. Rosenberg würde das vielleicht anders sehen, aber du bist hier, weil du brauchbare Tipps für den Alltag suchst und keine graue Theorie. 

Tipps:

  • Bevor du eine Bitte aussprichst, frag dich: Lasse ich meinem Gegenüber wirklich die Freiheit, „Nein“ zu sagen? Wenn die ehrliche Antwort „Nein“ lautet, ist es noch keine Bitte.
  • Achte auf das Wort „du“ in deinem Satz. Eine Bitte, die mit „Du musst …“, „Du sollst …“ oder „Du darfst nicht …“ beginnt, wird in den Ohren deines Gegenübers fast immer als Forderung ankommen, selbst wenn du sie nett gemeint hast.
  • Übe die Beziehungsbitte. Sie fühlt sich am Anfang ungewohnt an, doch sie ist einer der schnellsten Wege, ein Gespräch wirklich zu vertiefen und in echten Kontakt zu kommen.
  • Wenn du ein „Nein“ bekommst, frag dich nicht: „Wie überzeuge ich ihn jetzt vom Gegenteil?“, sondern: „Welches Bedürfnis hat mein Gegenüber gerade, das nicht erfüllt ist?“ Ein „Nein“ zu deiner Bitte ist immer auch ein „Ja“ zu einem eigenen Bedürfnis. Wenn du das herausfindest, kommt ihr meist zu einer Lösung, mit der beide leben können.
  • Eine Bitte an dich selbst funktioniert übrigens nach denselben Regeln. „Ich nehme mir vor, ab heute glücklicher zu sein“ ist keine Selbstbitte, das ist Selbstüberforderung. „Ich gehe diese Woche dreimal eine halbe Stunde an die frische Luft“ – das ist konkret, positiv und machbar.

Im Gespräch klingt das ganze Modell dann so:

„Wenn ich sehe, dass das Geschirr seit drei Tagen in der Spüle steht (Beobachtung), bin ich gestresst und genervt (Gefühl), weil mir Ordnung und ein gemeinsames Verständnis von Verantwortung wichtig sind (Bedürfnis). Wärst du bereit, heute Abend mit mir gemeinsam zehn Minuten in der Küche aufzuräumen? (Bitte)“

Hier ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die angesprochene Person keinen Vorwurf oder keine Anklage hört, und dass ihr kein Drama aufführt. Du bist glasklar und dein Gegenüber hat eine echte Wahl.

Damit ist der Werkzeugkoffer der GFK komplett. Beobachten. Fühlen. Brauchen. Bitten. Viel mehr als eine Liste oder eine Methode, denn wenn du sie verinnerlichst, übst und immer öfter leben kannst, dann werden sie zu einer Haltung. Und Haltungen verändern Beziehungen weit nachhaltiger als jede Technik.

Fragen? Schreib mir gerne eine Mail, kommentiere den Beitrag oder buche dir ein Training für deine Firma!

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Doch Antjana gewinnt durch ihre empathische Kommunikation sein Vertrauen.

 

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