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Im dritten Schritt der Gewaltfreien oder Wertschätzenden Kommunikation (GFK) nach Marshall Rosenberg geht es darum, das Bedürfnis hinter deinem Gefühl zu erkennen und die Verantwortung dafür zu übernehmen. Statt darauf zu warten, dass jemand anderes errät, was du brauchst, und es dir erfüllt.

In Schritt 1 hast du gelernt, neutral zu beobachten. In Schritt 2 hast du dein Gefühl von dem Gedanken über das Verhalten anderer getrennt. Jetzt kommt der Schritt, der für mich das Herzstück der GFK ist. Wenn du Schritt 3 verinnerlichst, hast du nicht nur die GFK begriffen, sondern eine ziemlich tiefe Wahrheit über zwischenmenschliche Beziehungen erkannt.

Gefühle sind die Wegweiser zu deinen Bedürfnissen

Wir Menschen ticken manchmal so einfach! Wenn ein Bedürfnis erfüllt ist, fühlst du dich gut. Wenn es unerfüllt ist, fühlst du dich nicht gut. Simpel, findest du nicht auch?!

Wenn du also wütend, traurig, ängstlich, einsam, frustriert oder verzweifelt bist, bist du weder zu empfindlich noch zu kompliziert. Lass dir bitte dein Gefühl nicht absprechen, auch wenn die Gaslighting-Abteilung dies gerne versucht. Dein unangenehmes Gefühl ist ein Hinweis darauf, dass in dir gerade ein Bedürfnis nicht erfüllt ist. Dein unangenehmes Gefühl ist wie ein rotes Lämpchen im Armaturenbrett: Es leuchtet auf, damit du nachschaust, was los ist. Frostgefahr in der Beziehung? Oder gibt es zu viel Reibung, fehlt ein bisschen Öl?

Das Prinzip gilt übrigens genauso für die angenehmen Gefühle: Wenn du gerade entspannt, dankbar, beschwingt oder zufrieden bist, ist das ein Hinweis darauf, dass deine Bedürfnisse in diesem Moment ganz wunderbar erfüllt sind. Auch das ist eine wichtige Information – schon allein, damit du weißt, was dir guttut. Der Tank ist voll, um im Bild zu bleiben …

Bedürfnisse sind universell. Strategien sind individuell.

Kommen wir nun zu dem Punkt, an dem in meinen Coachings und Trainings regelmäßig die Aha-Leuchten angehen.

Bedürfnisse sind das, was alle Menschen weltweit haben, unabhängig von Kultur, Geschlecht, Alter und Lebensumständen. Verbundenheit. Sicherheit. Anerkennung. Autonomie. Sinn. Ruhe. Spiel. Wachstum. Selbstbestimmung. Geborgenheit. Zugehörigkeit. Verstanden werden. Niemand würde ernsthaft zu dir sagen: „Ach, Geborgenheit/Nahrung/Gesundheit?! Brauche ich nicht.“

Strategien dagegen sind die ganz konkreten Wege, auf denen du versuchst, dir diese Bedürfnisse zu erfüllen. Und genau hier rumpelt es ständig.

Ein Beispiel: Du wünschst dir, dass dein Partner heute Abend mit dir essen geht. Das ist eine Strategie. Das dahinterliegende Bedürfnis könnte Verbundenheit sein. Oder Wertschätzung. Oder einfach Erholung nach einem anstrengenden Tag. Wenn dein Partner sagt, er habe heute keine Lust, fühlst du dich vielleicht zurückgewiesen – aber er hat ja gar nicht dein Bedürfnis abgelehnt, sondern nur diese eine Strategie. Verbundenheit könnt ihr auch herstellen, indem ihr zu Hause kocht (damit wäre auch gleich „Nahrung“ erfüllt …), einen Spaziergang macht oder gemeinsam einen Film schaut. Auf der Strategie-Ebene streiten sich Menschen permanent. Auf der Bedürfnis-Ebene gibt es fast immer Berührungspunkte.

„Hinter jedem Konflikt liegen Bedürfnisse, die nicht erkannt oder nicht ausgesprochen wurden.“

Marshall B. Rosenberg

Übernimm die Verantwortung für dein Bedürfnis, statt sie an andere Menschen abzugeben.

Für People Pleaser, also für Menschen, die in toxischen Beziehungen oder in einem Umfeld groß geworden sind, in dem sie gelernt haben, sich um die Bedürfnisse anderer zu kümmern und die eigenen hintenanzustellen, ist das alles andere als einfach. Und auch, wenn du dieses dysfunktionale Verhaltensmuster nicht hast, mag der Gedanke verdammt unbequem für dich sein!

Doch dein Bedürfnis gehört dir allein! Niemand sonst ist dafür verantwortlich, es zu erfüllen – auch dein Partner nicht, auch deine Eltern nicht, auch dein Chef nicht. Das heißt nicht, dass andere Menschen nicht zu deinen Bedürfnissen beitragen können. Können sie. Tun sie auch hoffentlich gelegentlich. Aber wenn du innerlich darauf wartest, dass jemand anderes dein Bedürfnis erfüllt, ohne dass du es überhaupt ausgesprochen hast, dann kannst du lange warten. Und meistens lange wütend, frustriert oder traurig werden.

Bedürfnisse zu übernehmen heißt:

  1. Erkennen, was du gerade brauchst. Wie bei den Gefühlen habe ich auch dazu eine Liste für dich erstellt, die dir beim sprachfähig werden helfen kann. Du wirst überrascht sein, wie viele Bedürfnisse es gibt, die du noch nie bewusst benannt hast.
  2. Die Erkenntnis und damit dich selbst ernstnehmen.
  3. Schauen, wie du es dir selbst erfüllen kannst – ganz oder teilweise.
  4. Da, wo du andere brauchst, eine klare Bitte formulieren.

Und wie funktioniert das dann im Gespräch?

„Wenn ich sehe, dass das Geschirr seit drei Tagen in der Spüle steht (Beobachtung), bin ich gestresst und genervt (Gefühl), weil mir Ordnung und ein gemeinsames Verständnis von Verantwortung wichtig sind (Bedürfnis).“

Merkst du, was da passiert ist? Du hast nur über dich geredet. Ausnahmsweise darfst du das mal … ;-) Du sprichst nur über deine Wahrnehmung, dein Gefühl, dein Bedürfnis. Du klagst niemanden an. Und genau deshalb hat dein Gegenüber eine echte Chance, dich wirklich zu hören – statt sofort in den Verteidigungsmodus zu gehen.

Tipps:

  • Wenn du ein unangenehmes Gefühl wahrnimmst, frag dich: „Welches meiner Bedürfnisse ist gerade nicht erfüllt?“ Manchmal kommt die Antwort sofort, manchmal brauchst du eine Weile. Beides ist okay.
  • Achte auf den Unterschied zwischen Bedürfnis und Strategie. Faustregel: Wenn in deinem Satz eine konkrete Person, ein konkretes Verhalten, ein konkreter Ort oder eine konkrete Uhrzeit auftaucht, ist es eine Strategie. „Ich brauche, dass du mich heute Abend anrufst“ ist eine Strategie. „Ich brauche Verbundenheit“ ist ein Bedürfnis.
  • In Konflikten: Frag nicht nur dich, sondern stell dir auch die Frage, welches Bedürfnis dein Gegenüber gerade haben könnte. Du musst nicht zustimmen, was er tut. Aber zu verstehen, was ihn antreibt, verändert oft die ganze Dynamik des Gesprächs.
  • Selbst-Empathie ist Gold wert. Du darfst dich selbst fragen: „Was brauche ich gerade?“ – und du darfst dir die Antwort genauso ernst nehmen, wie du die Antwort eines Freundes ernst nehmen würdest.

Fragen? Schreib mir gerne eine Mail, kommentiere den Beitrag oder buche dir ein Training für deine Firma!

Im vierten und letzten Schritt schauen wir uns dann an, wie du aus deinem Bedürfnis eine konkrete, klare und faire Bitte formulierst – und warum eine echte Bitte sich eklatant von einer als Bitte verkleideten Forderung unterscheidet.

Buchtipp: GFK unterhaltsam und locker in Romanform erleben

Business-Coaching-Roman Coaching mit Alien von Monika TreppteEin Coaching, das nicht von dieser Welt ist …
Im frisch aufgelegten Buch von Monika Treppte erlebst du den ersten Schritt der Gewaltfreien Kommunikation sowie der nötigen Geisteshaltung dahinter in Romanform: Roman Koch hat als Unternehmensberater in München viel erreicht. Trotzdem ödet ihn sein Job nur noch an, seine Teammitglieder kündigen, und seine Erfolgskurve rutscht in den Keller. Als letzte Chance gewährt ihm sein Chef ein Coaching bei Antjana Luka. Für Roman beginnt ein Albtraum: Vor einer attraktiven Frau als Versager dastehen? In seinem tiefsten Inneren nach Mängeln bohren? Sein Plan ist, das Coaching nur für die berufliche Neuorientierung zu nutzen und die Nervensäge von Coach schnell wieder loszuwerden.
Doch Antjana gewinnt durch ihre empathische Kommunikation sein Vertrauen.

 

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