Was unterscheidet Training, Coaching, Beratung und Therapie?

Die Disziplinen werden gerne verwechselt – verständlich, da es viele Gemeinsamkeiten und Überschneidungen gibt. Ein Überblick …

 

Coaching: Coaching ist eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Coach und einem gesunden – arbeitsfähigen – Klienten (auch Coachee genannt). Sie sollte als Faustregel pro Thema über zehn Zeitstunden nicht hinausgehen. Klientin oder Klient beauftragen den Coach, ihn beim Erreichen Ihrer Ziele zu unterstützen. Aus diesem Grund ist es wichtig, zu Beginn eines Coachings erst mal genau zu definieren, was denn eigentlich das Ziel ist. Die Unterstützung besteht beim Business- oder Personal Coaching meist in Form professioneller Gespräche/Fragenstellungen und so genannter Interventionen. Eine Intervention kann z.B. die Arbeit mit bestimmten Modellen oder Methoden am Flipchart sein. Der Coach ist dabei für den Prozess verantwortlich, der Klient für die Inhalte und deren Umsetzung. Nur auf ausdrücklichen Wunsch gibt der Coach in Einzelfällen seine eigene Meinung zu einem Sachverhalt kund oder berät als Experte (s)eines Fachthemas – keinesfalls schwingt er sich zum Profi für die Anliegen und Ziele, sprich, für das Leben seiner Klienten auf. Aufforderungen oder Tipps wie „übernehmen Sie endlich die Verantwortung für Ihr Leben“ oder „Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl!“ werden Sie von einem seriösen Coach nicht zu hören bekommen. Die Berufsbezeichnung „Coach“ ist nicht geschützt, wie es z.B. auch bei Designern oder Psychologen der Fall ist. Coaching klingt modern und dynamisch; deshalb wird es seit einigen Jahren inflationär verwendet, eben auch für Beratungs- und Trainingsangebote: So gibt es von Diät- über Golf- bis Dragon-Coaching nichts, was es nicht gibt … Eine Checkliste mit den Kriterien eines professionellen Business Coachs finden Sie hier.

Training: Im Training geht es darum, neues Wissen zu vermitteln, Erfahrungen weiterzugeben, Fähigkeiten zu entwickeln oder Ergebnisse zu verbessern. Der Trainer treibt von hinten an oder führt von vorne. Auch Coaching kann zum Ziel haben, Lernen zu ermöglichen, Potenziale zu entfalten und Leistung zu steigern, schließlich kommt der Begriff aus dem Leistungssport und wird stellenweise auch synonym zu „Trainer“ verwendet. Dies hängt jedoch vom Anliegen des Klienten ab. Als Coach im Verständnis eines Business- oder Life-Coachs bin ich kein Vorturner, der vorangeht und zeigt, wie etwas gemacht wird und bestimmt, wie hoch die Latte hängt. Sondern ich unterstütze den Klienten indirekt dabei, seine eigenen Wünsche und Ziele selbst aufzudecken und praktikable Schritte für deren Erreichung zu entwickeln.

Beratung: Von einem (Unternehmens- oder Fach-)Berater wird erwartet, dass er das Problem seines Kunden analysiert, erkennt und löst. Formulierungen wie „Sie sollten …“ oder „… wäre das Beste für Ihr Team“ sind in der Beratung normal. Natürlich muss ich auch als Coach das Thema meines Klienten möglichst schnell verstehen. Ich muss jedoch nicht zum Experten seines Problems werden, um ihn z.B. durch Gedankenexperimente oder zirkuläre Fragen dabei zu unterstützen, es aufzulösen. Der Coach übernimmt keine Verantwortung für die individuelle Lösung des Klienten, oder gar deren Umsetzung. Häufig werden die Begriffe Berater und Coach gleichbedeutend verwendet: da es im Coaching jedoch stets um Augenhöhe geht und dieses Verhältnis in der Beratung doch eher kippt, tue ich mich persönlich damit schwer. Eine gängige Unterscheidung ist die zwischen Prozessberatung (= Coaching) und Expertenberatung (= z.B. Vermögensberater, Personalberater …). Weil ich auch PR-Berater bin, verzichte ich auf diese sprachlichen Feinheiten auf meiner Website und trenne sauber zwischen den Begriffen.

Therapie: Coaching ist keine Psychotherapie, auch wenn es stellenweise Gemeinsamkeiten gibt. Ernsthafte Lebenskrisen, die ein Fall für den Psychotherapeuten sind, hätten vielleicht im Voraus durch ein professionelles Coaching verhindert werden können. Ob externe Veränderungen oder innere Bewegungen, ob Sie zu etwas hin oder von etwas weg wollen – es braucht Kraft und Energie, um aus der Komfortzone auszubrechen. Coaching ist Arbeit – auch und insbesondere für den Klienten. Aus diesem Grund sollten sich nur körperlich und seelisch gesunde – arbeitsfähige – Menschen für ein Coaching entscheiden. Befinden Sie sich beispielsweise mitten in einer Depression, Suchterkrankung oder einem Burn-Out, oder haben Sie gerade einen sehr großen Schicksalsschlag erlitten, rät ein seriöser Coach zur Therapie. Eventuell kann es sinnvoll sein, die Therapie ab einem gewissen Stadium durch ein Coaching zu begleiten. Wenn ich im Vorgespräch oder in unserer ersten gemeinsamen Sitzung den Eindruck habe, dass Sie bei mir – im Coaching – nicht an der richtigen Adresse sind, dürfen Sie von mir erwarten, dass ich diese Vermutung auch offen anspreche.